Was ist eigentlich... Adrenalin?

 

Ein Molekül macht Karriere

Open Air-Konzerte mit Tausenden von Fans: für den Künstler „Adrenalin pur“
Bungee Jumping: die „Adrenalin‐Eigentherapie“
Formel 1 Rennen für Fahrer und Zuschauer: „ein Adrenalin‐Kick“
Bundesliga im Meisterkampf: „Adrenalin bis zum Anschlag“

Skispringen, Snowboarden und viele andere Events mehr haben bei der Berichterstattung Adrenalin zu einem Lieblingswort der Medien gemacht. Kaum ein Artikel über künstlerische oder sportliche Ereignisse, ohne diesen Begriff zu strapazieren! Jeder kann sich angeblich darunter etwas vorstellen; es hat mit der Reaktion des Körpers auf Angst, Schrecken, Erwartung, Erfolg zu tun – doch was ist Adrenalin eigentlich und was spielt sich im Organismus in Stress‐Situationen ab?

Körpereigenes Doping

Adrenalin, auch Epinephrin genannt, war eine der ersten, aus dem menschlichen Organismus gewonnenen, chemischen Verbindungen mit bedeutender pharmakologischer Wirkung. Aus wässrigen Extrakten der Nebenniere (lat. ad – zu, renes‐Nieren) wurde Adrenalin 1901 von dem japanischen Wissenschaftler Takamine Jōkichi in kristalliner Form erhalten. Die Bestimmung der Struktur (1902, Albrich) und die chemische Synthese (1904, Stolz) gelangen wenig später. Adrenalin zählt zu den Hormonen, Botenstoffen, die im Organismus in geringsten Mengen synthetisiert werden. Sie übermitteln an mehr oder weniger entfernte „Erfolgsorgane“ Signale und üben auf deren Funktion eine wichtige Steuerung aus. So wird bei Stress‐Situationen Adrenalin ins Blut ausgeschüttet und bewirkt eine Erhöhung von Herzfrequenz und Blutdruck, eine Erweiterung der Bronchien, eine schnelle Bereitstellung von Energiereserven durch Fettabbau und Biosynthese von Traubenzucker. Stress kann durch die Wirkweise des Adrenalins ein „körpereigenes Doping“ auslösen, d.h. schnell Energie bereitstellen, den Stoffwechsel in den Zellen steigern und so erhöhte Einsatzbereitschaft des Organismus für Arbeit, Angriff oder Flucht bewirken. Da Adrenalin aber schnell abgebaut wird, ist seine Wirkung im Körper nur von kurzer Dauer.

Wichtig in der Medizin

Chemisch gehört Adrenalin wie die verwandten Hormone Noradrenalin und Dopamin in die Gruppe der Katecholamine. Bei gleicher Summenformel gibt es zwei räumliche Strukturen
(R,S‐Enantiomere), die sich wie Bild und Spiegelbild verhalten. In der Natur kommt (R)‐Adrenalin vor.

In der Medizin wird Adrenalin vor allem als Notfallmedikament zur Wiederbelebung bei Herzstillstand eingesetzt. Auch dient es zur Behandlung eines Kreislaufschocks beispielsweise bei allergischen Reaktionen oder Blutvergiftung. Weitere Verwendung findet Adrenalin zur Stillung oder Verhütung von Blutungen im Nasen‐, Mund‐ und Rachenraum. Wegen der Blutgefäßverengenden Wirkung wird Adrenalin zusammen mit örtlichen Betäubungsmitteln injiziert; so wirken diese länger und es reichen kleinere Dosen. Auf dieser Eigenschaft beruht auch die zum Schließen von Cuts im Boxsport eingesetzte kühlende und mit Adrenalin angereicherte Salbe.

Adrenalin – also eine vielseitige, hoch wirksame Substanz, der wir unser tägliches Überleben verdanken, auch wenn wir nicht gerade am Fallschirm hängen!

Der Beitrag wurden vom Arbeitskreis Öffentlichkeitsarbeit der Seniorexperten Chemie, einer Fachgruppe der Gesellschaft Deutscher Chemiker, erstellt.
Autorin: Dr. Ursula Kraska (bearbeitet durch kjs)

In der Reihe „Was ist eigentlich…“ stellen wir in leicht verständlicher Form chemische Substanzen vor, die jeder kennt oder fast jeder benutzt.

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