Insekten-Proteine: eine nachhaltige Ernährung

 

In der Reihe Fact Sheets veröffentlicht die Gesellschaft Deutscher 
Chemiker allgemeinverständliche Informationen zu relevanten Themengebieten. Erstellt werden die Fact Sheets von dem Expertengremium "ChemFacts for Future", in dem sich Wissenschaftler*innen der GDCh aus verschiedenen Fachgebieten gemeinsam um relevante Themen kümmern.

Insekten-Proteine: eine nachhaltige Ernährung! (Fact Sheet 8)


Fakten

Mit mehr als einer Millionen beschriebenen Spezies stellen die Insekten eine der artenreichsten Tiergruppen weltweit dar. In vielen Teilen der Erde stehen traditionell schon seit langer Zeit diverse Insekten auf dem Speiseplan des Menschen. Insgesamt sind etwa 2000 genießbare Insekten bekannt, hierzu zählen vor allem Käfer, Raupen, Ameisen, Wespen und Bienen. Ebenso stehen Insekten auf dem Speiseplan von Tieren. Dadurch, dass sie überall auf der Welt vertreten sind, stellen Insekten eine hervorragende alternative Proteinquelle für Mensch und Tier dar.

Problem

Die Weltbevölkerung wächst stetig und mit ihr der Bedarf nach Nahrungsmitteln. Gleichzeitig bedroht der Klimawandel die stabile Versorgung der Menschheit mit Lebensmitteln. Der Verzehr von Insekten in der westlichen Kultur ist auch heute noch ein Tabuthema und mit Ekel behaftet, obwohl besonders die Larven verschiedenster Insektenarten sehr hohe Gehalte tierischen Proteins besitzen.

Problemlösung

Um der Nahrungsmittelknappheit entgegenzuwirken, ist eine nachhaltige Lebensmittelerzeugung unumgänglich. Insekten benötigen im Vergleich zu den klassischen Nutztieren wie Rind, Schwein oder Huhn bedeutend weniger Ressourcen (Wasser, Futter, Fläche) und stoßen auch weniger klimaschädliche Gase aus (weitere Informationen). Aufgrund der Erkenntnisse der europäischen Risikobewertung wurden 2017 in der EU sieben Insektenspezies als Futtermittel in Aquakulturen zugelassen. Weiterhin hat die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) im Februar 2021 die Sicherheit von Mehlwürmern als Lebensmittel positiv bewertet. Mehlwürmer bzw. daraus gewonnenes Insektenmehl könnten daher zukünftig in der EU zur Produktion innovativer Lebensmittelprodukte, die auf mehr Akzeptanz der Verbraucher stößt, verwendet werden (weitere Informationen).

Autoren:
M.Sc. Patrick Klüber und Dr. Daniel Bakonyi, Fraunhofer IME – Projektgruppe Bioressourcen; Department: Biotechnology of Food & Feed Improvement Agents


Über das Gremium "ChemFacts for Future"

Die bedeutendsten Probleme, mit denen unser Planet und die meisten seiner Bewohner*innen derzeit konfrontiert werden, sind anthropogener Natur. Es ist daher auch die Aufgabe der Menschen, die Probleme zu erkennen und sie effizient zu lösen. Effizient bedeutet zeitnah und problemorientiert – jenseits von politischen und (rein) ökonomischen Interessen. 

Ein Großteil der Probleme kann (nur) unter Heranziehen chemischer Fachkenntnis sinnvoll bearbeitet werden. Die Herstellung und Verbreitung sachlich falscher Zusammenhänge, die zum Teil als Grundlage für politische Entscheidungen – und Fehlentscheidungen – herangezogen werden, sind für Naturwissenschaftler generell und uns Chemiker*innen im Speziellen daher besonders beunruhigend. 

Besonders der chemische Aspekt in Problemfeldern wie CO2-Emission und CO2-Bindung, Luftschadstoffbelastung oder Mikroplastikverbreitung führt dazu, dass wir uns als Chemiker*innen in der Pflicht sehen, belastbare, nicht von Lobbyismus getriebene Fakten zusammenzutragen und diese zu veröffentlichen. Wir sehen es auch als unsere Aufgabe an, in Kooperation mit Experten angrenzender Disziplinen (Medizin, Biologie, Physik) wissenschaftlich sinnvolle und ökonomisch wie ökologisch umsetzbare Lösungsvorschläge zu entwerfen und diese zu publizieren. 

Wir möchten uns als ein Gremium verstanden wissen, welches das Expertenwissen der Spitzenforscher*innen in den relevanten Themengebieten zusammenführt und es sowohl für die wissenschaftliche Community als auch die breite Öffentlichkeit auf verschiedenen Kanälen verfügbar macht. 

Dem Gründungsstab gehören neben dem Präsidenten der GDCh zunächst Vorsitzende verschiedener Fachgruppen und Arbeitsgruppen der GDCh an, die im nächsten Schritt Expertinnen und Experten benennen, die das Team der Verantwortlichen ergänzen werden. Mitglieder des Gremiums.

Titelfoto: Gegrillte Insenkten auf einem Straßenmarkt in Thailand (romas_ph/stock.adobe.com)

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