Chemiker im Krankenhaus: Schnittstelle zwischen Labor und Arzt

 

Folge 18: Aktuelle Chemie 2019 – Medizin und Gesundheit

Das Berufsbild des Klinischen Chemikers* ist vielfältig, denn auch im Gesundheitswesen wie im Krankenhaus wird die Chemie ständig gebraucht. Labormediziner und Klinische Chemiker kontrollieren, dass das Labor Patientenproben sachgemäß untersucht. Sie überwachen und koordinieren die diagnostischen Untersuchungen und validieren die Ergebnisse medizinisch. Zum Klinischen Chemiker weiterbilden können sich Naturwissenschaftler mit abgeschlossenem Hochschulabschluss.

Von Qualitätsmanagement bis Lehre

Der Klinische Chemiker ist häufig Leiter von medizinischen Laboren bzw. von Laborbereichen. Er kontrolliert die eingesetzten Analysemethoden und prüft deren Qualität kontinuierlich mittels Qualitätskontrollen und externen Ringversuchen. Bei diesen untersuchen unterschiedliche Labore in regelmäßigen Abständen gleiche Proben unabhängig voneinander. Die Ergebnisse wertet eine autonome Stelle aus, um festzustellen, ob die Labore richtige Analysenwerte produzieren. Dadurch kann eine gleichbleibende hohe Qualität der Analysen gewährleistet werden. 

Hat der Medizinisch-technische Assistent die Analysenergebnisse technisch geprüft, validiert der Klinische Chemiker diese medizinisch. Er prüft, ob die Ergebnisse plausibel sind, und schlägt wenn nötig weitere diagnostische Analysen vor. Weiterhin ist er für die Weiterbildung der Mitarbeiter verantwortlich. Bei der Prä- und Postanalytik berät der Klinische Chemiker den Arzt, falls Probleme auftreten oder Fragen zum Analyseergebnis bestehen. Gibt es neue Verfahren zur Diagnostik oder Analysemethoden, prüft der Klinische Chemiker diese auf Vor- und Nachteile für das Klinikum und führt sie gegebenenfalls ein. Dazu vergleicht er verschiedene Methoden miteinander und überprüft die Angaben der Hersteller. „Zum Arbeitsalltag gehört viel Kommunikation“, stellt Dr. Ronald Biemann, Klinischer Chemiker am Institut für Klinische Chemie und Laboratoriumsmedizin am Universitätsklinikum Leipzig, fest. 

An Unikliniken hat der Klinische Chemiker zusätzlich die Möglichkeit selbst zu forschen. Zudem ist es hier üblich, dass er sich an Lehrveranstaltungen beteiligt.

Die meisten ausgebildeten Klinischen Chemiker sind in medizinischen Laboren beschäftigt. Sie können jedoch auch in Forschung und Lehre tätig sein oder in der Industrie wie in der in vitro-Diagnostik sowie im Biobanking.

Wer kann Klinischer Chemiker werden?

Nach einer fünfjährigen Weiterbildung mit abschließender mündlicher Prüfung erwerben Absolventen der Chemie, Biochemie und Biologie (jeweils Diplom/Master of Science) den Titel des Klinischen Chemikers. Naturwissenschaftler mit einer Doktorarbeit können die Weiterbildung auf vier Jahre verkürzen. Interessierte anderer naturwissenschaftlicher Studiengänge können sich ebenfalls zum Klinischen Chemiker weiterbilden, wenn sie mindestens dreihundert Leistungspunkte in äquivalenten Studieninhalten der oben genannten Abschlüsse nachweisen können. Die genauen Vorschriften der Weiterbildung zum Klinischen Chemiker koordiniert die Deutsche Gesellschaft für Klinische Chemie und Laboratoriumsmedizin e.V. (DGKL).

Hämatologie, Immunologie und Liquordiagnostik

Während der Weiterbildung erwirbt der angehende Klinische Chemiker grundlegende Kenntnisse zur Biochemischen Analytik, Medizin und Statistik, allgemeine Grundlagen zur Klinischen Chemie, zur Validation analytischer Verfahren und zum Qualitätsmanagement medizinischer Labore sowie Kenntnisse zur stoffwechsel- und organspezifischen Analytik und zum Immunsystem und endokrinen System. 

Die Weiterbildung besteht überwiegend aus der Praxis im jeweiligen Labor. In diesem ist der Weiterzubildende über die gesamte Zeit tätig. Die DGKL bevollmächtigt medizinische Labore als Weiterbildungsstätte Klinische Chemiker auszubilden. So muss eine Klinik zum Beispiel über eine bestimmte Bettenanzahl verfügen. Zudem benötigt die Einrichtung einen Klinischen Chemiker als Ausbilder. In der Weiterbildungsstätte durchläuft der Naturwissenschaftler unterschiedliche Bereiche wie Hämatologie, Immunologie oder Liquordiagnostik. Er lernt die Laborarbeit und die verschiedenen analytischen Methoden kennen. Nach und nach übernimmt er leitende Funktionen für verschiedene Laborbereiche, führt neue Methoden ein und mit ausreichend Erfahrung übernimmt er die medizinische Validation. Innerhalb der Weiterbildung lernt der spätere Klinische Chemiker alle relevanten Abteilungen kennen.

Am Ende werden die gelernten Inhalte in einem zweiwöchigen Kurs zur Vorbereitung auf die Abschlussprüfung wiederholt. Eine Fachkommission aus Klinischen Chemikern und Labormedizinern nimmt die mündliche Prüfung jeweils zum Frühjahr und Herbst ab.
 

Die passende Klinik finden

Wer sich um einen Platz zur Weiterbildung bewerben möchte, wendet sich direkt an eine zugelassene Weiterbildungsstätte. Diese sind auf der Homepage der Fachgesellschaft DGKL zusammengefasst. Biemann rät Interessierten, die Einrichtungen aktiv zu kontaktieren. Manche Kliniken oder medizinische Labore schreiben Stellen zur Weiterbildung zum Klinischen Chemiker aus, auf die sich Interessierte auch bewerben können. Aus eigener Erfahrung weiß Biemann: „Oft finden sich Weiterbildungsplätze über Kontakte wie durch Forschungsprojekte, manchmal auch durch Zufall.“

Künftig staatlich anerkannt?

Bisher wird die Weiterbildung von der DGKL geregelt. Die Fachgesellschaft setze sich jedoch dafür ein, dass sich dies künftig ändere, so Biemann. Möglich ist, dass die Weiterbildung künftig als Postgraduales Studium angeboten wird, idealerweise mit staatlich anerkanntem Abschluss. „Dies würde die Stellung des klinischen Chemikers innerhalb der Labormedizin stärken und ermöglichen, dass Klinische Chemiker ärztliche Aufgaben im Bereich der Labordiagnostik teilweise selbstständig durchführen dürften“, betont Biemann.

*Aus Gründen der Lesbarkeit wird im folgenden Text die männliche Form verwendet, dennoch sind Angehörige aller Geschlechter gleichermaßen gemeint.

Wissenschaftliche Beratung: Dr. Ronald Biemann (Klinischer Chemiker am Institut für Klinische Chemie und Laboratoriumsmedizin am Uniklinikum Leipzig)

Lisa Süssmuth

Volontärin, Gesellschaft Deutscher Chemiker

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