Streitpunkt Plastikmüll – Pro und Contra 

 

Plastikabfälle – ein weltweites Problem

Plastikmüll ist ein globales Problem, das hat inzwischen jeder begriffen. In unserer Umwelt verschandeln Plastikabfälle die Landschaft und im Meer verenden Fische und andere Lebewesen, weil sie Plastikmüll im Magen haben. Auch Mikroplastik wird zunehmend zum Problem. Inzwischen wird es fast flächendeckend rund um den Globus nachgewiesen, auch z. B. in Speisefischen, wodurch es über die Nahrungskette zurück zu uns Menschen kommt.

Die normalerweise gewünschten Eigenschaften der verschiedenen verwendeten Kunststoffe, z.B., dass sie wasserdicht und stabil sind, erweisen sich bei der Entsorgung als großer Nachteil. Es dauert, je nach verwendetem Kunststoff viele Jahrzehnte oder noch länger, bis Kunststoffe in der Umwelt abgebaut werden. Durch mechanischen Einfluss, etwa Abrieb, entstehen zudem aus manchen Plastikabfällen mikroskopisch kleine Kunststoffteilchen, sogenanntes Mikroplastik, das aufgrund seiner Eigenschaften kaum aus der Umwelt abgetrennt werden kann. 

Einig über das Ziel, aber nicht über den Weg dorthin

Keine Frage, es müssen dringend Massnahmen ergriffen werden, um zu verhindern, dass weiterhin riesige Mengen von Plastikabfall in der Umwelt, egal ob an Land oder im Meer, landen. Darin sind sich Umweltschutzorganisationen mit Industrieunternehmen einig. Nur über den Weg dorthin gibt es unterschiedliche Meinungen. Helfen gesetzliche Verbote der Produktion von Plastik, wie sie der BUND fordert? Die verschiedenen Standpunkte wollen wir in diesem Pro und Contra darstellen.

"Raus aus der Plastikkrise – Umsteuern auf allen Ebenen, jetzt!" 

Das titelte der Bund für Umwelt- und Naturschutz (BUND) in einer gemeinsamen Pressemitteilung mit der Heinrich-Böll-Stiftung am 6. Juni 2019. Zur vollständigen Pressemitteilung

Darin fordert er, vor allem die Hersteller und die petrochemische Industrie als Hersteller der Plastikprodukte in die Plicht zu nehmen. So soll seiner Meinung nach eine Abgabe auf Plastikprodukte erhoben werden, die von den Herstellern gezahlt werden soll. Außerdem fordern BUND und Heinrich-Böll-Stiftung von der Politik wirksame Maßnahmen zur weltweiten Lösung der Plastikkrise, die vor allem auf eine Reduktion von Produktion und Konsum von Plastik setzen. "Verbote von Strohhalmen, Einwegbechern und Tüten sind ein erster Schritt, sie werden jedoch eine der größten Umweltkrisen, die den ganzen Planeten erfasst, nicht beenden", heißt es in der Pressemitteilung.

BUND und Heinrich-Böll-Stiftung kritisieren, dass Plastikmüll nur zu einem geringen Teil recycelt wird, sondern in großen Mengen ins Ausland exportiert wird und dort auf Mülldeponien oder schlimmer, in der Umwelt landet. Sie fordern, dass der Export von Plastikmüll in Länder mit unzureichenden Umwelt- und Sozialstandards verboten wird. 

"Kunststoffe nicht pauschal diskriminieren, Recycling vorantreiben"

Dies antwortet der Verband der chemischen Industrie (VCI) in einer Pressemitteilung, ebenfalls vom 6. Juni 2019. Zur vollständigen Pressemitteilung

Nach seiner Meinung sind Verbote von Kunststoffen kein sinnvoller Weg, die Verschmutzung in der Umwelt zu senken. Er betont, dass Kunststoffe wertvolle und effiziente Werkstoffe sind, die helfen, die Ernährung und die Trinkwasserversorgung einer wachsenden Weltbevölkerung sicherzustellen, weniger Energie aufzuwenden und die medizinische Versorgung zu verbessern. Nach Auffassung des VCI nach muss es in erster Linie darum gehen, den unsachgemäßen Umgang mit Plastikmüll zu bekämpfen und Kunststoffabfälle umweltgerecht zu entsorgen und vor allem zu recyceln.

VCI-Hauptgeschäftsführer Utz Tillmann verweist auf die 2019 gegründete internationale Alliance to End Plastic Waste. "Rund 30 Unternehmen, die weltweit entlang der Wertschöpfungskette agieren, wollen in den nächsten fünf Jahren rund 1,5 Milliarden Dollar investieren, um Projekte für Müllmanagement, zirkuläre Wirtschaft sowie neue Recycling-Technologien zu fördern“, betont er. 

Wichtig ist es aus Sicht des VCI, die Verwertung von Kunststoffabfällen weiter voranzutreiben, denn sie sind eine hochwertige Ressource. Tillmann verweist zudem auf die Selbstverpflichtung der europäischen Kunststofferzeuger, die Recyclingquoten weiter zu steigern.

Welche Rolle spielen Verbraucherinnen und Verbraucher?

Zweifellos ist es besser, Plastikabfälle zu verwerten, anstatt sie wegzuwerfen und eine "Entsorgung" in Ländern der Dritten Welt, wo der Müll auf wilden Müllkippen oder eben im Meer landet, darf natürlich erst recht keine Lösung sein. Auch gibt es für viele Anwendungen von Kunststoffen keine sinnvollen Alternativen. Aber ob eine Selbstverpflichtung der Kunststoffindustrie zur Steigerung der Recyclingquoten ausreicht? Und hätte die Industrie das nicht schon längst tun können, wenn sie denn wollte?

Auf der anderen Seite: Ist ein Verbot der Produktion bestimmter Plastikartikel wirklich die Lösung? Würde die Industrie diese Produkte herstellen, wenn es keine Nachfrage dafür gäbe? Würden Geränkehersteller Milliarden Plastikflaschen pro Jahr in den Verkehr bringen, wenn die Kunden das Produkt nur noch in Glasflaschen kaufen würden? Gäbe es so viele Kunststoffbecher im Abfall, wenn Coffee-to-go-Fans energisch nach Mehrwegbechern verlangen würden?

Nach Angaben von BUND und Heinrich-Böll-Stiftung ist Deutschland einer der größen Verursacher von Verpackungsabfällen aus Plastik in Europa. Danach entfällt mehr als ein Drittel aller hergestellten Kunststoffe auf Verpackungen, also auf Produkte, die oft nur ein einziges Mal verwendet werde. (Quelle: Plastikatlas, herausgegeben 2019 von BUND und Heinrich-Böll-Stiftung). Hätte eine Abgabe auf Plastikprodukte, die von der Industrie gezahlt werden würde, tatsächlich den gewünschten Effekt? Oder würde dieser Effekt erst dann eintreten, wenn die Hersteller die Kosten an die Verbraucher weitergeben würden und Plastiktüten, Plastikflaschen und der Coffee-to-go eben teurer würden?

Ein schwieriges Thema, für das es keine einfache Lösung gibt. Und ein globales Problem, das zeigt, dass unser moderner Lifestyle mit vielen Convenience-Produkten nicht nur von der Natur, sondern auch von Menschen in der dritten Welt bezahlt wird.

Zusammenstellung und redaktionelle Bearbeitung: Karin J. Schmitz, GDCh

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