Was ist eigentlich... Selen?

 

Giftig, doch lebensnotwendig

Ob aus der Apotheke, der Drogerie oder dem Reformhaus, ob in Form von Tabletten, Pulver oder Kapseln. Selen kennt der Verbraucher als Nahrungsergänzungsmittel. Doch nur selten nimmt jemand wahr, dass Selen ein chemisches Element ist. Eines, das giftig und lebensnotwendig zugleich ist – die Menge macht’s. 

Tellur und Selen – Erde und Mond

Der schwedische Chemiker Jöns Jakob Berzelius entdeckte Selen im Jahr 1817. Seltener als Uran, häufiger als Quecksilber und Silber, hat das Element die Ordnungszahl 34 im Periodensystem. Angelehnt an Tellur (tellus, lat. Erde) erhielt das Selen (seléne, gr. Mond) seinen Namen. Die beiden Elemente treten häufig gemeinsam auf und zählen zu den Chalkogenen, den Erzbildnern. Wie Schwefel kommt Selen in mehreren Modifikationen vor: schwarzes, graues und rotes Selen. Mineralisch gebunden findet sich Selen in der Natur als Begleiter schwefelhaltiger Kupfererze und fällt daher als Nebenprodukt der Kupferherstellung an. Für die Halbleiterindustrie ist Selen ein bedeutender Rohstoff. So dient er zur Herstellung von zum Beispiel Photo- und Solarzellen, Belichtungsmessern und Radaranlagen oder fotoleitenden Schichten bei Kopiergeräten. Auf unseren Straßen leuchtet die Ampel dank Selenrubinglas rot. 

Essentielles Spurenelement

Für Pflanzen, Tiere und den Menschen ist Selen ein lebensnotwendiges, essentielles, Spurenelement. Diese kommen nur in sehr geringen Mengen im Organismus vor (<0,1 % des Körpergewichts). Fehlt dem Körper ein essentielles Spurenelement, kann dies Mangelerscheinung hervorrufen. Üblicherweise nehmen wir Spurenelemente über die Nahrung auf. Die tägliche empfohlene Dosis liegt für Männer bei 70 Mikrogramm Selen, für Frauen bei 60 Mikrogramm. Enthalten ist dieses zum Beispiel in Nüssen, vor allem in Paranüssen. Unsere Böden in Mittel- und Nordeuropa sind übersäuert und dadurch selenarm. Die Europäische Union erlaubt zu Futtermitteln selenreiche Mineralstoffe beizumischen. Heute decken wir so unseren Tagesbedarf mit tierischen Nahrungsmitteln.

Zur Nahrungsmittelergänzung dient eine organische Selenquelle, die durch die Zucht bestimmter Brauhefen entsteht. Echte Selenmangelerscheinungen sind selten. In höheren Dosen ist das Element giftig. Dabei ist die Schwelle zwischen Mangelerscheinung und toxischer Konzentration sehr niedrig, sodass von einer Selbstmedikation abgeraten wird. Erst nachdem der Selenstatus am besten in Absprache mit einem Arzt bestimmt ist, sollte Selen eingenommen werden. 
 

Selen schützt die Körperzellen

In einigen Aminosäuren ist Selen anstelle von Schwefel Bestandteil und am Aufbau von Enzymen und Selenoproteinen beteiligt. Selenpräparate wirken antioxidativ und gehören wie Vitamin E zu den „Radikalfängern“. Diese Stoffe binden toxische Schwermetalle. Zudem nimmt Selen im Schilddrüsenstoffwechsel eine wichtige Funktion ein, sowie für das Schutzsystem unserer Zellen. In unserem Körper findet sich Selen in vielen Organen, der größte Anteil (40 %) wird jedoch in der Skelettmuskulatur gespeichert.

Lediglich Pflanzen sind in der Lage, das im Erdreich vorhandene anorganisch gebundene Selen über ihre Wurzeln aufzunehmen. Dieses wandeln sie in organisch gebundenes Selen um und speichern es.
 

Wirkstoff in der Medizin

Das Selendisulfid (SeS2) ist in einigen Shampoos als Antischuppenmittel enthalten. Einige Präparate, die Selenverbindungen enthalten, nutzt Medizin bei bestimmten Hauterkrankungen. Bisher existieren nur wenige Befunde, dass selenhaltige Nahrung das Krebsrisiko mindert, mit Ausnahme von Prostatakrebs.

Der Beitrag wurde vom Arbeitskreis Öffentlichkeitsarbeit der Seniorexperten Chemie, einer Fachgruppe der Gesellschaft Deutscher Chemiker, erstellt.
Autor: Prof. Dr. Eberhard Ehlers (bearbeitet durch sue)

Titelbild: Björn Wylezich/stock.adobe.com

In der Reihe „Was ist eigentlich…“ stellen wir in leicht verständlicher Form chemische Substanzen vor, die jeder kennt oder fast jeder benutzt.

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