Was ist eigentlich... Rubin?

 

Rubin, der König der Edelsteine, so der Name in Sanskrit, gehört schon seit dem Altertum neben dem Diamanten zu den begehrtesten und wertvollsten Edelsteinen unserer Erde. In der Bibel wird er als „Stein der Priester“ erwähnt. Makellose tiefrote Rubine mit einem Stich ins Bläuliche, der Farbe von Taubenblut ähnlich, wurden zeitweise höher gehandelt als Diamanten vergleichbarer Größe. Für einen 16‐ karätigen Rubin (1 Karat = 0,2g) wurde ein doppelt so hoher Betrag erzielt wie für größere und lupenreine Diamanten. 

In der Esoterik galten Rubine als „Stein des Lebens und der Liebe“ und sollten gegen Teufel und Pest schützen. Der Name Rubin stammt vom lateinischen „rubinus“ = roter Stein („ruber“ = rot). Der Rubin zählt zu den edlen Korunden, dabei ist sein Hauptbestandteil schlichte Tonerde, Aluminiumoxid (Al2O3). Die rote Färbung ist auf einen geringen Anteil an Chrom zurückzuführen. Korunde sind nach Diamant die härtesten natürlichen Materialien; unscheinbare trübe Kristallmassen werden daher als Schleifmittel (Schmirgel) benutzt. 

Manche Rubine haben einen eigenen Namen

Der Rubinanteil ist in den meisten primären Lagerstätten für eine wirtschaftliche Nutzung zu gering. Die Gewinnung erfolgt vielmehr aus sekundären (alluvialen) Lagerstätten. Rubine können auf Grund der hohen Dichte durch Waschen von Flusskiesen und Sanden angereichert und von Hand verlesen werden. Sie kommen in allen Kontinenten vor außer in der Antarktis. Die bedeutendsten Rubin‐Lagerstätten liegen in Myanmar, Thailand, Sri Lanka und Tansania. Die Produktionsmethoden sind vielerorts noch ebenso primitiv wie vor hundert Jahren. Bei Mogok (Myanmar) liegt die Rubin führende Schicht wenige Meter unter der Oberfläche, aber nur ca. 1% der Steine ist für Schmuck geeignet. Dort fand man auch den bisher größten Rubin, "the Mogok Sun", mit 1734 Karat , den man in seinem ursprünglichen Zustand beließ. Zu den bekanntesten geschliffenen Rubinen gehört der "Edward‐ Rubin" mit 167 Karat, den man im British Museum in London bewundern kann. Die böhmische Wenzelskrone (Prag) trägt einen Rubin von etwa 250 Karat. 

Anfang des 20. Jahrhunderts wurden verschiedene Verfahren zur synthetischen Herstellung von Rubinen und Saphiren entwickelt, so das Flammenschmelzverfahren nach Verneuil, das Verfahren nach Czochralski, Flux‐ Züchtungen oder das Hydrothermal‐ Verfahren. Beim ältesten und bisher wichtigsten Verneuilverfahren wird Aluminiumoxidpulver dotiert mit Chromoxid aus einem Vorratsbehälter auf einen kleinen Rubinkristall, der als Kristallisationskeim fungiert, gerieselt. Das Pulver wird, während es nach unten fällt, in einem Wasserstoff‐Sauerstoffstrom bei über 2000°C aufgeschmolzen. In gleichem Maße wie der Einkristall nach oben wächst, wird der Führungsstab, an dem der Kristall befestigt ist, nach unten gezogen. Wozu die Natur Tausende von Jahren braucht, ist nach diesem Verfahren in 5 bis 20 Stunden fertig. 

Nicht alle roten Steine sind Rubine

Synthetische Rubin‐Einkristalle werden neben der Verwendung als Schmuckstein auch in Rubinlasern eingesetzt, diese werden zum Beispiel zur Behandlung von Pigmentflecken und zur Entfernung von Tätowierungen verwendet, Rubine dienen außerdem als Lagersteine in hochwertigen Uhrwerken, finden Einsatz als Taststifte in Messgeräten und in hochwertigen Tonabnehmernadeln oder als Substratmaterialien. Obwohl die synthetischen Rubine denen aus der Natur nicht nachstehen, sondern homogener gewachsen sind und weniger Fehlstellen und Fremdeinschlüsse aufweisen, haftet ihnen der Beigeschmack des Künstlichen an. Es ist daher nicht verwunderlich, dass Einschlüsse bei Naturrubinen keine Qualitätsminderung bedeuten, sondern eher ein „Echtheitsnachweis“ sind. 

Viele Menschen haben von der Großmutter oder der Uroma geerbten Schmuck mit prächtigen roten Kristallen zu Hause. Dabei handelt es sich in vielen Fällen nicht um Rubine, sondern um Granate. Diese gehören zur Gruppe der Silikate und haben eine ganz andere Zusammensetzung als Rubine. Zwar sind Granate bei weitem nicht so wertvoll wie echte Rubine. Aber auf den ideellen Wert eines Schmuckstücks, das seine Besitzerin an einen geliebten Menschen erinnert, hat dies natürlich keinen Einfluss.

Autor: Prof. Dr. Horst Altenburg
bearbeitet durch kjs

In der Reihe „Was ist eigentlich…“ möchten wir chemische Substanzen, die jeder kennt, in leicht verständlicher Form vorstellen. Die Beiträge wurden vom Arbeitskreis Öffentlichkeitsarbeit der Seniorexperten Chemie, einer Fachgruppe der Gesellschaft Deutscher Chemiker, erstellt.

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