Was ist eigentlich... Essigsäure?

 

Essigsäure: ein Produkt, das jeder benutzt

Essigsäure ist ein Produkt mit dem jeder schon Erfahrungen gemacht hat, zum Beispiel: 

  • Wein wird vom langen Stehen sauer
  • Salatsaucen ohne Säure schmecken fad
  • Grünspan ist lästig und gesundheitsschädlich
  • Bei Kopfschmerzen hilft „Aspirin“

An all diesen Beobachtungen ist Essigsäure beteiligt. Sie ist die wohl wichtigste organische Säure, eine Carbonsäure. Die wasserfreie Säure ist eine stechend riechende, ätzende Flüssigkeit, mit einem Siedepunkt von 118°C. Bei 16,6°C erstarrt sie zu eisartigen Kristallen, dem sogenannten Eisessig.

Schon bei den alten Ägyptern bekannt

Essigsäure kannten schon die alten Kulturvölker wie Ägypter, Assyrer, Chinesen und nutzten sie als Konservierungsmittel, als Getränk, aber auch als Heilmittel. Gewonnen wurde sie, indem man Wein oder auch Bier in Tonkrügen an der Luft stehen, d.h. zu Essig werden ließ. Durch die Wirkung von Essigsäurebakterien (z.B. Acetobacter) entsteht Essig in einem aeroben, also unter Einfluss von Luftsauerstoff ablaufenden biochemischen Prozess aus alkoholhaltigen Flüssigkeiten. Der Trivialname „Essig“ steht chemisch für verdünnte Essigsäure.

Die großtechnische Herstellung von Essigsäure erfolgt durch die katalytische Umsetzung von Methanol mit Kohlenmonoxid unter Druck. Die große Bedeutung dieser so einfach gebauten chemischen Säure (Weltproduktion ca. 5 Mio. Tonnen) ergibt sich aus ihrer Vielseitigkeit. Sie wird für Lebensmittel, Reinigungsprodukte und viele großtechnische Anwendungen genutzt. 
 

Essig: Universelles Lebensmittel

Essig dient als Säuerungs‐, Würz‐ und Konservierungsmittel und wird mit Säuregehalten von 5 bis 15,5 g/100ml in den Handel gebracht. Die wichtigsten Essige sind Wein‐, Obst‐ oder Kräuteressige; Branntweinessig entsteht aus Getreide, Zuckerrüben oder Kartoffeln. 

Typische Erzeugnisse der Säuerung mit Essigsäure sind Gewürzgurken, Fisch‐ oder Fleischmarinaden (Sauerbraten), Senf, Ketchup und natürlich die Salatsaucen. Aber nicht der Geschmack allein ist wichtig, man nutzt auch die konservierende Wirkung der Essigsäure. Im sauren Milieu werden z.B. Hefen und Bakterien im Wachstum gehemmt und das Lebensmittel ist länger haltbar. 
 

Auch als Reinigungsmittel unverzichtbar

Diese keimhemmende Wirkung führt zu einer weiteren Anwendung, der als Reinigungsmittel. Keime mögen keine saure Umgebung, so gibt es Essigsäure enthaltende Reiniger zum Putzen von Küche und Bad. Auch Kalkflecken (auf Englisch: "limescale", s. Graphik) können mit Essig entfernt werden. Unedle Metalle wie Magnesium, Calcium, Zink oder Eisen lösen sich in verdünnter Essigsäure unter Bildung wasserlöslicher Salze, den Acetaten. Daher sollen essighaltige Speisen nie in metallenen Behältern aufbewahrt werden. Und Marmor, chemisch Calciumcarbonat, darf nicht mit Essigsäure gereinigt werden! Mit Kupfer reagiert Essigsäure an der Luft zu Kupferacetat, einem grünen gesundheitsschädlichem Salz, bekannt als Grünspan.

Essigsäureethylester – ein Veresterungsprodukt aus Ethanol (Alkohol) mit Essigsäure – wird mit der chemischen Bezeichnung nicht unbedingt geläufig sein, aber wer kennt nicht den typischen Geruch dieses Lösungsmittels, das z.B. in Nagellackentferner oder Flüssigkleber enthalten ist. Großtechnisch hergestellte Essigsäure wird zur Herstellung von Polymeren wie Polyvinylacetat, Celluloseacetat, Lackgrundstoffen oder Kleber gebraucht. 

In dieser Graphik von CompoundInterest ist die Formel und einige seiner Anwendungen zusammengestellt. Die Webseite enthält einige weitere Erläuterungen (auf englisch).

Produkte aus Essig werden auch in der Medizin verwendet

Besonders erfolgreich ist ein anderes Veresterungsprodukt der Essigsäure als Medikament. Aus Essigsäure und Salicylsäure erhält man die bekannte Verbindung Acetylsalicylsäure, den Wirkstoff des Schmerzmittels Aspirin. Noch länger bekannt als Heilmittel ist „essigsaure Tonerde“. Es ist das basische Aluminiumsalz der Essigsäure. Die wässrige Lösung empfiehlt sich für entzündungshemmende Umschläge in der Wundbehandlung und hilft bei Prellungen und Verstauchungen. 
 

Der Beitrag wurden vom Arbeitskreis Öffentlichkeitsarbeit der Seniorexperten Chemie, einer Fachgruppe der Gesellschaft Deutscher Chemiker, erstellt.
Autorinnen: Dr. Ingeborg Lenze, Dr. Ursula Kraska (bearbeitet durch kjs)

In der Reihe „Was ist eigentlich…“ stellen wir in leicht verständlicher Form chemische Substanzen vor, die jeder kennt oder fast jeder benutzt.

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